Das Weltwirtschaftswachstum hat sich nach der Krise in 2010 wieder beschleunigt, zeigen Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW, Berlin) und des Instituts für Weltwirtschaft (IfW, Kiel). Für die Folgejahre erwarten beide Institute dann ein etwas langsamer wachsendes Weltbruttoinlandsprodukt. Das im Krisenjahr 2009 leicht gebremste und in 2010 wieder kräftig gewachsene Wirtschaftswachstum der Schwellenländer China und Indien stößt insbesondere im Hinblick auf hohe Kapazitätsauslastungen langsam an Grenzen. Die Industrieländer kämpfen noch mit den Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise. Sie versuchen unter anderem durch eine restriktive Finanz- und Wirtschaftspolitik die hohen Verschuldungsgrade zu senken. Ein weiterer dämpfender Effekt auf das Weltwirtschaftswachstum geht von den stark gestiegenen Rohstoffpreisen aus. Das Erdbeben und die Atomkatastrophe in Japan hatten ebenfalls Anteil an dieser Entwicklung. Diese Ereignisse bewirkten zunächst sowohl zeitliche als auch örtliche Verschiebungen im internationalen Seefrachtmarkt (Pazifik und Atlantik) und führten später infolge höherer Kohle- und Gasimporte Japans zu einem Anstieg der entsprechenden Preise im pazifischen Markt.
Der Weltprimärenergieverbrauch ist in 2010 ersten Schätzungen zufolge gegenüber dem krisenbedingten Rückgang des Vorjahres um rund 4,5% auf 18,2 Mrd.t SKE angestiegen. Dies ist vor allem auf das weiterhin hohe asiatische Wirtschaftswachstum und auf die konjunkturelle Erholung in einigen Industriestaaten zurückzuführen. Der Energieverbrauch der Industrieländer erhöhte sich zwar um 2,6%, lag aber noch leicht unter dem Wert von 2008. Dagegen war in den Entwicklungs- und Schwellenländern auch im Krisenjahr 2009 ein Anstieg des Energieverbrauchs um 3,2% und im Folgejahr ein Zuwachs um 6,1% zu verzeichnen. Der Weltprimärenergieverbrauch wurde auch im Jahr 2010 zu knapp 80% durch die fossilen Energieträger Kohle (28%), Mineralöl (31%) und Erdgas (21%) gedeckt. Knapp 5% entfielen auf Wasserkraft und Erneuerbare. Auch bei der Weltnettostromerzeugung dominierten die fossilen Energieträger mit einem Anteil von 66%. Allein zwei Drittel davon entfielen auf die Kohle: Sie wies mit 7,5% auch das stärkste Wachstum auf.
Der Weltprimärenergieverbrauch wird von 2008 bis zum Ende des Prognosezeitraums in 2035 im New-Policies-Szenario um jährlich 1,2% auf 23,9 Mrd. t SKE zunehmen, so eine Prognose der Internationalen Energieagentur (IEA, Paris) vom November 2010. Das neue IEA-Hauptszenario der neuen energiepolitischen Rahmenbedingungen unterstellt, dass alle weltweit bisher getätigten Zusagen und Pläne insbesondere zum Klimaschutz auch tatsächlich umgesetzt werden. Demnach würde sich der Anteil fossiler Energieträger am Primärenergieverbrauch von 81% in 2008 auf 74% in 2035 verringern. Regenerative Energieträger (inkl. Biomasse und Müll) würden in 2035 einen Anteil von knapp 19% erreichen. Bis zum Ende des Prognosezeitraums in 2035 setzt sich der Trend der Anteilsverschiebung zwischen Industrieländern einerseits und den Entwicklungs- und Schwellenländern andererseits weiter fort. Wichtigste Treiber beim Energieverbrauch in den Entwicklungs- und Schwellenländern bleiben das Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum. Bei den Industrieländern hingegen wird die Bevölkerungsentwicklung nahezu stagnieren und der Energieverbrauch unterproportional zum Wirtschaftswachstum steigen. Dies ist auf die bei den Industrieländern fortschreitende Entkoppelung zwischen Wirtschaftswachstum und Energieverbrauch zurückzuführen.