Branchenentwicklung

Mit der konjunkturellen Erholung erhöhte sich auch der Primärenergieverbrauch in Deutschland. Er stieg 2010 gegenüber 2009 um 4,6% an (auf 479 Mio. t SKE) - also noch stärker als das BIP. Dazu trug aber auch der extreme Winter bei. Dabei war die Steinkohle 2010 der Energieträger mit der höchsten Zuwachsrate (14,6%). Ihr Verbrauch war durch die Krise 2009 auf ein "Jahrhunderttief" gefallen. Das Verbrauchsniveau früherer Jahre wurde damit trotzdem noch nicht wieder erreicht. Es bleibt abzuwarten, ob es 2011 erneut Zuwächse durch das Wirtschaftswachstum und den durch die Natur- und Reaktorkatastrophe in Japan vom Frühjahr hervorgerufenen "Fukushima-Effekt" gibt oder ob die ansonsten für die Kohle eher ungünstigen energie- und klima-politischen Weichenstellungen den Verbrauch dämpfen.

Vom Gesamtaufkommen an Steinkohle in Höhe von 57,1 Mio. t SKE im Jahr 2010 entfielen noch rund 23% auf die heimische Förderung. Hauptabnehmer sind die Kraftwirtschaft und die Eisen schaffende Industrie. Fast drei Viertel des Absatzes heimischer Steinkohle (72%) entfielen auf die Kraftwirtschaft und ein Viertel auf die Stahlindustrie. Die RAG Anthrazit Ibbenbüren GmbH liefert darüber hinaus kleinere, in ihrer Entwicklung während der letzten Jahre aber stabile Mengen an Steinkohle subventionsfrei in den Wärmemarkt.

Obwohl der Anteil der heimischen Förderung an der Bruttostromerzeugung in Deutschland seit Jahrzehnten zurückgeht, leistet sie mit 6,3% nach wie vor einen nennenswerten Beitrag. Gemessen an den vorhandenen Vorräten könnte das auch noch für lange Zeit so bleiben. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hat die technisch gewinnbaren Steinkohlenvorräte im Jahr 2011 neu bewertet: Mit 2,5 Mrd. t SKE stellen sie nach der Braunkohle die größte heimische Energierohstoffreserve dar.

Allerdings sind auf Grund der hierzulande vorliegenden geologischen Abbaubedingungen ihre Förderkosten nach wie vor höher als der Weltmarktpreis. Obwohl sich die Schere auch in 2011 weiter geschlossen hat, erscheint ein subventionsfreier Bergbau in Deutschland auf Sicht schwer vorstellbar.

Einen Zuwendungsbescheid für die Jahre 2009 bis 2012 als Rechtsgrundlage der Finanzierung des Steinkohlenabsatzes sowie der erforderlichen Stilllegungsaufwendungen hat das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) bereits Ende 2007 ausgestellt - mit dem Inkrafttreten des Steinkohlefinanzierungsgesetzes, das die nationale rechtliche Grundlage für ein Auslaufen des subventionierten Steinkohlenbergbaus in Deutschland darstellt. Er sieht - wie die Bescheide für die vorangegangenen Jahre auch - einen degressiven Verlauf der öffentlichen Hilfen vor.

Werden höhere Erlöse erzielt, als bei der kohlepolitischen Verständigung im Vorfeld des Steinkohlefinanzierungsgesetzes unterstellt wurde, können die tatsächlich ausgezahlten Hilfen die Planansätze deutlich unterschreiten ("Erlöskappung"). Dies war bereits in den Jahren 2008 bis 2010 der Fall. Während dieser Zeit wurden fast 1,5 Mrd. ? an zugesagten Beihilfen wegen der gestiegenen Weltmarktpreise gar nicht erst ausgezahlt und führten bei Bund und Land NRW zu willkommenen Minderausgaben. Auch 2011 gibt die bisherige Preisentwicklung auf den internationalen Steinkohlenmärkten Anlass, von einer ähnlichen Entwicklung auszugehen.

Zuwachsraten Primärenergieverbrauch 2009/2010 Deutschland
Zuwachsraten Primärenergieverbrauch 2009/2010 Deutschland
Absatzstruktur deutscher Steinkohle
Absatzstruktur deutscher Steinkohle
Energierohstoffreserven in Deutschland
Energierohstoffreserven in Deutschland
Öffentliche Hilfen für die deutsche Steinkohle
Öffentliche Hilfen für die deutsche Steinkohle